Google verändert die Darstellung von Personen, Creatorn und Publishern in der Suche. Mit den neuen Google Search Profiles entsteht eine eigene, verifizierte Profilseite direkt innerhalb der Google-Suche. Social-Media-Kanäle, Website, Beiträge und Videos können dort gebündelt werden. Gleichzeitig entsteht eine engere Verbindung zum Knowledge Panel und zu Google Discover.
Was zunächst wie eine weitere Profilfunktion klingt, könnte langfristig deutlich größere Auswirkungen auf die digitale Sichtbarkeit von Personen und Marken haben. Wir sprachen mit der Kölner Online-Marketing-Agentur DieWebAG darüber, was hinter den Google Search Profiles steckt und warum das Thema auch für SEO und die zunehmende Sichtbarkeit in KI-Systemen interessant ist.
Darum geht´s
Was sind Google Search Profiles?
Google Search Profiles wurden im Juni 2026 zunächst in den USA eingeführt. Creator, Publisher und Personen mit entsprechender Online-Reichweite können damit eine eigene Profilseite innerhalb der Google-Suche beanspruchen und teilweise selbst gestalten.
Das Profil kann unter anderem die eigene Website, Social-Media-Accounts, Videos, Artikel und aktuelle Beiträge zusammenführen. Bestimmte Inhalte lassen sich hervorheben beziehungsweise anpinnen. Nutzer können einem Profil außerdem direkt folgen, wodurch Inhalte dieser Quelle häufiger in Google Discover auftauchen können.
Damit geht Google einen Schritt über das klassische Knowledge Panel hinaus.
„Das Interessante ist weniger die einzelne Profilseite als vielmehr die Verknüpfung der unterschiedlichen Signale“, erklärt Jörg Strömsdörfer, Geschäftsführer der DieWebAG. „Google verbindet Website, Person, Social-Media-Profile und veröffentlichte Inhalte immer stärker zu einer eindeutig identifizierbaren Entität.“
Die Einstiegshürde wurde deutlich reduziert
Bemerkenswert ist vor allem, wie schnell Google die Voraussetzungen für ein Search Profile gesenkt hat.
Zum Start waren noch 100.000 Follower auf YouTube, Instagram oder X erforderlich. Für TikTok lag die Schwelle sogar bei 300.000 Followern. Im August 2026 wurde sie zunächst auf 35.000 Follower reduziert. Seit September reichen bereits 10.000 Follower auf einer unterstützten Plattform.
Damit wird die Funktion perspektivisch nicht nur für sehr große Influencer und Publisher interessant. Auch Experten, Unternehmer, Ärzte, Berater, Autoren und andere Personenmarken könnten die notwendige Reichweite erreichen.
Entscheidend ist allerdings, dass die Follower nicht einfach über verschiedene Plattformen addiert werden können. Die erforderliche Reichweite muss auf einem einzelnen unterstützten Kanal vorhanden sein.
Mehr als eine „Link-in-Bio“-Seite
Auf den ersten Blick erinnert das Konzept an bekannte Link-in-Bio-Dienste. Für die DieWebAG greift dieser Vergleich allerdings zu kurz.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wo das Profil erscheint.
Es handelt sich nicht um eine externe Profilseite, auf die Nutzer erst weitergeleitet werden müssen. Das Profil ist Bestandteil des Google-Ökosystems und kann unmittelbar bei der Suche nach einer Person oder Marke sichtbar werden.
Google erhält dadurch strukturierte und teilweise verifizierte Informationen darüber, welche Website und welche Social-Media-Kanäle tatsächlich zu einer Person oder Organisation gehören.
Genau das macht die Entwicklung aus SEO-Sicht interessant.
Search Profile und Knowledge Panel sind nicht dasselbe
Häufig werden Google Search Profile und Knowledge Panel gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich um unterschiedliche Elemente.
Das Knowledge Panel ist die bekannte Informationsbox, die Google bei bestimmten Personen, Unternehmen, Organisationen oder anderen Entitäten innerhalb der Suchergebnisse einblendet.
Das Search Profile dagegen ist eine eigene Profilseite, die vom jeweiligen Inhaber stärker gestaltet werden kann. Dazu gehören beispielsweise die eigene Beschreibung, Links, Social-Media-Kanäle und ausgewählte Inhalte.
Beide Bereiche können miteinander verbunden sein. Google behält allerdings weiterhin die Kontrolle darüber, welche Informationen letztlich im Knowledge Panel dargestellt werden.
Warum das Thema für SEO interessant wird
Die klassische Suchmaschinenoptimierung konzentrierte sich lange stark auf einzelne Websites und Keywords. Dieses Verständnis verändert sich.
Suchmaschinen versuchen zunehmend zu verstehen, wer oder was hinter einer Website steht.
Eine Person, ein Unternehmen oder eine Marke wird dabei als Entität betrachtet. Google versucht unterschiedliche Informationen aus verschiedenen Quellen dieser Entität zuzuordnen.
Dazu gehören beispielsweise die eigene Website, strukturierte Daten, Social-Media-Profile, Veröffentlichungen auf anderen Websites, Videos, Presseberichte und weitere Erwähnungen.
Search Profiles passen genau in diese Entwicklung.
„Wir sehen seit einiger Zeit, dass die reine Optimierung einer einzelnen Website zu kurz gedacht ist“, sagt Strömsdörfer. „Entscheidend wird zunehmend, ob Google eine Person oder Marke eindeutig versteht und ob die Informationen über unterschiedliche Quellen hinweg konsistent sind.“
Auch für die KI-Sichtbarkeit relevant
Besonders interessant ist die Entwicklung vor dem Hintergrund von Gemini, AI Overviews und anderen generativen Suchsystemen.
Denn auch KI-Systeme müssen zunächst verstehen, welche Personen, Unternehmen und Marken mit bestimmten Themen verbunden sind.
Dabei spielen eindeutige Entitäten und übereinstimmende Informationen aus unterschiedlichen Quellen eine wichtige Rolle.
Die DieWebAG beschäftigt sich deshalb neben klassischem SEO zunehmend mit GEO – Generative Engine Optimization – und AEO – Answer Engine Optimization.
Das Ziel besteht nicht mehr ausschließlich darin, für ein bestimmtes Keyword möglichst weit oben in einer klassischen Trefferliste zu erscheinen. Unternehmen möchten zunehmend auch dann berücksichtigt werden, wenn Nutzer Fragen direkt an ChatGPT, Gemini, Perplexity oder andere KI-Systeme stellen.
Diese Fragen sind häufig nicht mehr klassisch keywordbasiert.
Ein Nutzer sucht beispielsweise nicht zwingend nach „SEO Agentur Köln“, sondern fragt: „Welche Agentur kann mir helfen, meine Website für Google und KI-Suchen zu optimieren?“
Damit verändert sich die Logik der Sichtbarkeit. Kontext, Markenverständnis, Expertise und die Verbindung einer Entität mit bestimmten Themen gewinnen an Bedeutung.
Die eigene Bio bekommt eine neue Bedeutung
Ein interessantes Detail der Search Profiles ist die Profilbeschreibung.
Google kann daraus eine KI-generierte Zusammenfassung für die Darstellung einer Person beziehungsweise Entität erzeugen.
Damit wird aus einer vermeintlich einfachen Bio plötzlich ein wichtiger maschinenlesbarer Informationstext.
Die Empfehlung der DieWebAG lautet deshalb, solche Beschreibungen möglichst eindeutig aufzubauen.
Wer ist die Person oder Organisation? Was macht sie? Für welche Themen steht sie? Wo ist sie tätig?
Marketingfloskeln helfen Maschinen bei dieser Zuordnung nur begrenzt. Klare Informationen dagegen erleichtern es Google, Zusammenhänge herzustellen.
Einheitliche Informationen über verschiedene Plattformen
Damit rückt gleichzeitig ein Thema stärker in den Fokus, das im Online-Marketing häufig unterschätzt wird: Konsistenz.
Wenn eine Person auf der eigenen Website anders bezeichnet wird als auf Instagram, YouTube oder TikTok und zusätzlich unterschiedliche Beschreibungen verwendet werden, entstehen unnötige Unklarheiten.
Idealerweise sollten Name, Profilbild, Tätigkeit, Unternehmen, Website und zentrale Themen möglichst eindeutig miteinander verbunden sein.
Auf der eigenen Website können zusätzlich strukturierte Daten über Schema.org eingesetzt werden. Über entsprechende Person– oder Organization-Auszeichnungen und sameAs-Verknüpfungen lassen sich offizielle Social-Media-Profile technisch zuordnen.
Damit entsteht Schritt für Schritt ein digitales Gesamtbild einer Person oder Marke.
Noch nicht offiziell in Deutschland verfügbar
Aktuell sind Google Search Profiles offiziell noch nicht in Deutschland verfügbar. Google hat jedoch eine Ausweitung auf weitere Länder angekündigt.
Interessant ist eine Beobachtung der DieWebAG: Die Einrichtungsstrecke für Search Profiles ist bereits deutschsprachig verfügbar. Beim Eligibility-Check des eigenen Agentur-Accounts erschien bereits eine deutsche Benutzerführung.
Ein konkreter Starttermin für Deutschland lässt sich daraus nicht ableiten. Es zeigt jedoch, dass Google die technische und sprachliche Vorbereitung für weitere Märkte bereits vorantreibt.
Die Agentur empfiehlt deshalb, nicht erst auf den offiziellen Deutschland-Start zu warten.
Was Unternehmen und Personen bereits jetzt vorbereiten können
Die grundlegenden Maßnahmen sind ohnehin nicht ausschließlich für Search Profiles relevant. Eine saubere digitale Identität unterstützt bereits heute klassische Suchmaschinenoptimierung, Knowledge Panels und die Zuordnung innerhalb generativer Systeme.
Dazu gehören vor allem ein einheitlicher Name und einheitliche Profilinformationen, die klare Verknüpfung der offiziellen Social-Media-Kanäle mit der eigenen Website, strukturierte Daten sowie eine eindeutige Beschreibung der eigenen Person beziehungsweise Marke.
Für Personenmarken kann es zudem sinnvoll sein, Social-Media-Reichweite gezielter auf einem Kanal aufzubauen. Da Google derzeit mindestens 10.000 Follower auf einer einzelnen unterstützten Plattform verlangt, kann eine stark fragmentierte Reichweite strategisch weniger hilfreich sein.
Google entwickelt die Suche zur Identitätsplattform weiter
Google Search Profiles sind derzeit noch ein vergleichsweise junges Feature. Ob und wie stark sie langfristig Rankings oder die Darstellung innerhalb von KI-Antworten beeinflussen, lässt sich noch nicht belastbar beurteilen.
Die grundsätzliche Richtung ist jedoch erkennbar.
Google betrachtet Websites, Social-Media-Profile, Personen, Unternehmen und deren Inhalte zunehmend nicht mehr isoliert voneinander. Stattdessen werden diese Informationen miteinander verbunden und einer digitalen Entität zugeordnet.
Für Unternehmen und Personenmarken bedeutet das, dass Sichtbarkeit künftig noch stärker über die eigene Website hinaus gedacht werden muss.
„Wer heute seine Website, Social-Media-Profile, strukturierten Daten und externen Erwähnungen sauber miteinander verbindet, optimiert nicht nur für ein zukünftiges Search Profile“, fasst Strömsdörfer zusammen. „Er schafft gleichzeitig eine bessere Grundlage dafür, dass Google und KI-Systeme überhaupt verstehen, wer hinter einer Marke steht und für welche Themen diese relevant ist.“
Gerade darin dürfte langfristig die größere Bedeutung der Google Search Profiles liegen: Sie sind weniger ein neues Social-Media-Profil als ein weiterer Baustein auf dem Weg von der klassischen Suchmaschinenoptimierung hin zur Optimierung digitaler Entitäten.